Wölfe – Kommunikation und Sozialverhalten Teil 3


Nachdem der Beitrag vorige Woche ausfallen musste, gibt es heute den letzten Teil des 3-Teilers „Wölfe – Kommunikation und Sozialverhalten“. Hierbei dreht sich alles um die geruchliche Kommunikation und das Sozialverhalten an sich. Für Wölfe und Hunde ist der Geruch enorm wichtig, denn sie „lesen“ daraus alle für sie wichtigen Informationen, die für das Leben und Überleben wichtig sind. Welche dies sind und wie sich Wölfe im Rudel so verhalten, erzählen wir Euch jetzt.
Geruchliche Kommunikation

Diejenigen unter uns die einen Hund haben wissen, das die Riechzellen eines Hundes sehr ausgeprägt sind. Die Riechzellen des Wolfes umfassen eine Zahl von 200 Millionen, was es ihnen ermöglicht ein Beutetier bis zu 3 km Entfernung wahrzunehmen. Ein Verfolgen der Spur ist somit ebenfalls ein leichtes. Das ein Schweißhund 200-400 Millionen Riechzellen besitzt entstammt der selektiven Züchtung, da genau diese Eigenschaft das Augenmerk bekommen hat zur Verfolgung von Wildspuren.

Kot und Urin dienen sowohl dem Wolf als auch dem Hund als geruchliche Markierung ihres Reviers. Auch über die Pfotenballen werden Duftmarken gesetzt in Form von Scharren. Früher ging ich davon aus, das Hunde nach dem Pinkeln verscharren, um alles zu verteilen. Doch der Sinn ergab sich mir nicht, da die Pinkelstelle meist in die andere Richtung lag und mit den Pfoten somit beim Scharren gar nicht in Berührung kam. Durch das Studium wurde mir nun klar, das es mit der Pinkelstelle ansich gar nichts zu tun hat, sondern mit den Duftdrüsen an den Pfotenballen. Das erstaunliche an diesen Duftmarken der Pfoten ist, das diese 1 Monat  lang erschnüffelbar sind. Um das Revier des Wolfes ständig markiert zu wissen, laufen die Tiere ca alle 3-4 Wochen das Revier ab um die Duftmarken zu erneuern.

Wenn es um das Zusammenkommen von Rüde und Fähe geht, können die beiden über die Analregion bzw den Urin herauslesen ob sie für die Zusammenkunft bereit sind. Der Rüde erkennt dies durch Beschnuppern der Analregion, während die Fähe im Urin des Rüden den Testosteronspiegel „lesen“ kann. Über das Adrenalin, welches bei Streß ausgesendet wird, erkennen die Wölfe untereinander wie es dem jeweils anderen geht. Ebenfalls faszinierend finde ich, das durch Beschnüffeln von Fährten und Pfotenabdrücken „abgelesen“ werden kann, zu welchem Rudel ein Wolf gehört und wo er lang gelaufen ist.

Sozialverhalten

Kommen wir zum Sozialverhalten. Dies unterscheidet sich schonmal enorm von frei lebenden Wölfen zu Wölfen in Gefangenschaft. Ein natürliches Wolfsrudel besteht in der Regel aus den Eltern und deren Sprößlingen (Welpen und Jungtiere). Dieses Zusammenleben nennt sich Familienverband und umfasst ca. 5-10 Tiere. Werden die Jungtiere geschlechtsreif (mit 2 Jahren), verlassen sie das Rudel um eigene Familien zu gründen. Während die Welpen noch den bekannten Welpenschutz genießen (der nicht auf menschliche Familien übertragbar ist!!!), dürfen die einjährigen Jungtiere bereits an der gemeinsamen Jagd, der Verteidigung des Reviers oder der Betreuung ihrer Geschwister teilnehmen.

Im Vergleich zum freien Rudel, ist es den Jungtieren in Gefangenschaft nicht möglich mit der Geschlechtsreife abzuwandern, was bedeutet, das es oft zu Auseinandersetzungen kommt. Ein weiterer Streßpunkt für das in Gefangenschaft lebende Rudel ist, das externe Wölfe dazugeholt werden um Inzucht zu vermeiden. Immer wieder wird so die Rangordnung neu ausgefochten und sich um die besten Futter- und Liegeplätze gestritten. In freier Wildbahn würde es dies so nicht geben, da die Strukturen eindeutig klar sind.

Abbruchsignale

In freier Wildbahn gibt es hierfür die sogenannten Abbruchsignale, wie z.b. den Schnauzgriff der Fähe um ihren Welpen sanft in die Schranken zu weisen, wenn dieser zu übermütig wird. Ebenfalls als Abbruchsignal dient ein warnendes Knurren. Diese sind in einem Sozialgefüge wie dem des Wolfes sehr wichtig, denn kommt es zu aggressiven Auseinandersetzungen und Verletzungen, ist die ganze Gruppe gefährdet, da das Gefüge auseinanderbricht. Also wird ein Wolfsrudel immer versuchen sich anbahnende Streitigkeiten mit Abbruchssignalen zu entschärfen.

Beschwichtigungssignale

Beim Begrüßen der Rudelmitglieder untereinander werden Beschwichtigungssignale eingesetzt. Dies dient ebenfalls dazu, das keine Auseinandersetzungen stattfinden. Beschwichtigungs-signale werden häufig beim Begrüßen eingesetzt. Ein Wolf würde niemals , selbst als Welpe nicht, frontal auf einene anderen Wolf zurennen. Dies wäre ohne Unterwerfungshaltung als Angriff gleichzusetzen und hätte sicherlich negative Folgen. Daher nähern sich Wölfe und Hunde immer so, als würden sie an dem anderen vorbeilaufen wollen. Dann wird gestoppt und Kontakt aufgenommen. Auch die Geschwindigkeit ist entscheidend. Es wird nie gerannt, sondern normal aufeinander zugegangen. Bei der Kontaktaufnahme werden Nase und Ohren beschnüffelt und erst wenn keinerlei Gefahr vom jeweils anderen ausgeht, der Genitalbereich.


Wie verhalten sich Eure Hunde, wenn sie andere Artgenossen treffen? Beobachtet sie einmal (Rutenstellung, Ohrenstellung, Fell , Lautgebung etc.)! Das kann sehr spannend sein 🙂

Liebe Grüße

Melanie & Tabu

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2 Gedanken zu “Wölfe – Kommunikation und Sozialverhalten Teil 3

  1. Klabauterfrau schreibt:

    Unser Snorre verhält sich sehr wölfisch….wobei zur Zeit ziemlich blöd, wegen diesen doofen Hormonen 😉 aber wir sehen schon reichlich Unterschiede zwischen unserem Mottenhund und dem Wolfhund Snorre…danke für deinen Bericht

    Gefällt 1 Person

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